Nordic Seahorse Bulker GmbH & Co. KG – In Rekordzeit in die Liquidation anstatt in die Gewinnzone

Restrukturierungs- und Rettungsversuche erfolglos – Totalverlust für Anleger

Diesmal gibt es für Anleger, die eine Beteiligung an dem Schiffsfonds, Nordic Seahorse Bulker GmbH & Co. KG („Seahorse KG“), erworben haben, ein böses Erwachen. Sie müssen mit dem Totalverlust ihrer Einlage rechnen. Die Beteiligung wurde erst im Jahr 2011 aufgelegt und das Schiff musste auf Druck der finanzierenden Bank (Helaba) bereits im September 2016 zu einem Schleuderpreis, der weit unter dem Einkaufspreis lag, verkauft werden. Die vollmundige Versprechung der Gründungsgesellschafter bereits nach 6 Jahren einen Rückfluss von über 144 % zu schaffen, waren unter keinen Umständen zu einzuhalten.  Der Vertreib wurde im größeren Stil von der GAH-Geldanlagehaus GmbH & Co. KG übernommen.

Das Konzept und der Verlauf

Das Konzept sah eine mittelbare Investition an dem Bulker MS „Nordic Malmoe“ durch eine direkte Beteiligung an der MS „Nordic Malmoe“ Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG (sog. Zielgesellschaft) vor. Dazu sollte von privaten Anlegern Kapital in Höhe von 7 Mio. € eingeworben werden. Die Einwerbung verlief jedoch derart schleppend, dass die Gesellschaft im November 2011 bei einem Stand in Höhe von nur 3,1 Mio. € geschlossen und das Emissionskapital durch zwei Platzierungsgarantien auf 5,89 Mio. € aufgestockt werden musste.

Das Schiff wurde im Jahr 2012 in Nanton/China gebaut und abgeliefert. Die Probleme der Gesellschaft lagen in den nicht erzielbaren Charterraten und den unvertretbaren Prognosen der zukünftigen Entwicklung des Weltmarktes der Seeschifffahrt sowie der hohen Finanzierung der Zielgesellschaft durch die Helaba. Die Risiken aus der seit 2008 herrschenden Schifffahrtskrise wurden von den Gründungsgesellschaftern und Verantwortlichen vollkommen falsch eingeschätzt und steigende Märkte vorausgesagt, die sich jedoch – absehbar – in eine ganz andere Richtung entwickelten bzw. auf einem niedrigen Charterratenniveau verharrten.

Nachdem das Schiff nicht die erwarteten Einnahmen erzielen konnte, stellte die Helaba das Darlehen  zur Rückzahlung fällig. Ein neuer Investor, der die durch fehlende Einnahmen entstandene Eigenkapitallücke schließen sollte, wurde von der Bank nicht akzeptiert. Die Zielgesellschaft musste das Schiff auf Druck der Bank verkaufen. Der Verkauf kommt dem Totalverlust der Einlagen der Anleger gleich, da der Verkaufspreis nur für eine teilweise Tilgung des Darlehens und nicht mehr für eine Rückzahlung an die Anleger ausreichte.

Alle Restrukturierungs – und Rettungsversuche verliefen enttäuschend. Teilweise haben Gesellschafter sogar noch Gelder nachgeschossen, im Glauben, dass ein „Turnaround“ zu schaffen sein wird; aber auch diese Gelder sind verloren.

Die Gesellschaft musste im Jahr 2016 aufgrund der desaströsen Entwicklung der Zielgesellschaft die „insolvenzfreie“ Liquidation beschließen. Mit Schreiben aus Februar 2017 wurden den Anlegern die Umstände der Liquidation mitgeteilt und zur schriftlichen Beschlussfassung aufgerufen. Die Geschäftsführung versuchte noch, den nach nur vier Jahren kläglich gescheiterten Versuch des Schiffsbetriebs und des eingetretenen Totalverlustes für die Anleger als Erfolg zu verkaufen. Man habe schließlich „einige Jahre den widrigen Marktverhältnissen getrotzt“ und sogar „vier Jahre den Kapitaldienst pünktlich erbracht“. Mit anderen Worten: Die Bank hat ihr Geld pünktlich bekommen, nur die Anleger haben mal wieder den Verlust zu tragen.

Dagegen sind die Nutznießer vor allem die Gründungsgesellschafter und die Helaba. Die Gründer haben durch die hohen Weichkosten ohne hohes Risiko bereits mit der Auflage des Fonds ihre Gewinne erzielt. Die Helaba wird zwar einen kleinen Verlust verbuchen müssen, hat aber gleichzeitig auch über die Jahre regelmäßige Zinszahlungen erhalten und muss – anders als die Anleger – nicht einen vollständigen Verlust hinnehmen.