Rickmers Anleihe – mögliche Schadensersatzansprüche aus Prospekthaftung oder fehlerhafter Anlageberatung

Die Reederei Rickmers emittierte im Jahr 2013 eine Anleihe (WKN: A1TN43) mit einem Volumen von rund 275 Millionen € und einem jährlichen Zinsversprechen von 8,875 %. Der überwiegende Anteil des eingesammelten Kapitals stammt von Privatanlegern. Die Reederei musste Insolvenz anmelden. Aktuell wird die Anleihe daher nur noch mit 2, 6 % gehandelt (Finantzen.net: abgerufen am 18. Juli 2017 unter: http://www.finanzen.net/anleihen/a1tna3-rickmers-holding-anleihe). Das bedeutet, wer im Jahr 2013 1.000 € investiert hat, erhält heute 26 € zurück.  In den Anlegern ist dadurch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden.

Für Anleihebesitzer gibt es Hoffnung

Anleihegläubigern stehen möglicherweise Prospekthaftungsansprüche zu. Die Anleihe wurde unter Zuhilfenahme eines Emissionsprospekts vom 14. April 2013 auf den Markt gebracht. Der Emissionsprospekt unterliegt den Grundsätzen der Prospekthaftung. Der Prospekt muss den verständigen und unvoreingenommene Leser über alle Risiken vollständig und richtig aufklären; eine Irreführungsgefahr darf nicht bestehen. Angesichts des weitergehenden Einbruchs des Container-Chartermarktes in den Jahren 2011 bis 2013 (also vor Ausgabe der Anleihe) wären konkrete Risikohinweise auf die konjunkturellen Gefahren im Chartermarkt notwendig gewesen. So fiel der HRCI-Index (Howe Robinson Container Index) zwischen März 2011 und Dezember 2012 von 916,1 Punkte auf 457,1 Punkte. Ebenfalls betroffen war der HARPEX-Index der im selben Zeitraum von 900,99 Punkten auf 351,70 Punkten fiel. Große schiffsfinanzierenden Banken wie die Commerzbank AG haben ebenfalls deutlich erkennen lassen, dass die Schifffahrtskrise im Containermarkt keinesfalls für beendet erklärt werden könne. Prospekthaftungsansprüche würden sich nicht nur gegen die Emittentin richten, sondern auch gegen alle Hintermänner oder sonstigen Personen, die an der Erstellung des Prospekts mitgewirkt und die besonderes Vertrauen in Anspruch genommen haben.

Schadensersatz prüfen lassen

Daneben können auch Schadensersatzansprüche gegen Banken, Kreditinstitute und freie Vertriebshäuser bestehen, wenn sie die Anleihe aufgrund einer fehlerhaften Beratung oder Vermittlung erworben haben. Banken, Kreditinstitute und freie Vertriebshäuser haften, wenn sie Kapitalanlagen vertreiben, die nicht zu dem Anlageprofil und den Anlagezielen ihrer Kunden passen. Der Bundesgerichtshofs hat bereits im Jahr 1993 (XI ZR 12/93) besondere Pflichten einer Bank bei der Beratung von Kunden aufgestellt:

 „Eine Bank hat bei der Anlageberatung den – gegebenenfalls zu erfragenden – Wissensstand des Kunden über Anlagegeschäfte der vorgesehenen Art und dessen Risikobereitschaft zu berücksichtigen (“anlegergerechte” Beratung); das von ihr danach empfohlene Anlageobjekt muß diesen Kriterien Rechnung tragen (“objektgerechte” Beratung).“

Daneben Kunden auch über die wesentlichen Risiken der Kapitalanlage richtig, verständlich und vollständig aufgeklärt werden. Bei Banken gilt zudem, dass sie, ungefragt und  unabhängig von der Höhe, über ihre Rückvergütungen aufklären müssen. Bei freien Vertriebshäusern gilt eine Grenze von 15 % des Anlagekapitals.

Betroffene Anleihegläubiger können sich gerne per Mail (mail@siburg-recht.de) oder telefonisch  (030/ 2060979060) direkt an Rechtsanwalt SIBURG wenden.